LehrplanPLUS FS Förderschwerpunkt Hören
Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
Stand: 08.03.2024
Datei: Förderschule_Hören_Stand_08_03_24.pdf
Bildungsauftrag und Leitgedanken
Schülerschaft mit Förderbedarf Hören
Hörschädigungen entstehen prä-, peri- oder postnatal (Erkrankung, Unfall, akustisches Ereignis, genetisch) und liegen in unterschiedlichen Graden vor:
| Grad | Hörschwelle |
|---|---|
| leichtgradig | 20–40 dB |
| mittelgradig | 40–60 dB |
| hochgradig | 60–80 dB |
| an Taubheit grenzend | 80–90 dB |
| gehörlos | ab 90 dB |
Die Schülerschaft ist äußerst heterogen und umfasst u. a.:
- SuS mit Lautsprache (mit/ohne Hörhilfen)
- SuS mit Gebärdensprache als primärem Kommunikationsmittel
- SuS mit Auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)
- CODA (children of deaf adults)
- SuS mit Ertaubung oder mehrfachem Förderbedarf
Auswirkungen von Hörschädigungen
- Wahrnehmung: eingeschränkte auditive Orientierung, veränderter Höreindruck
- Motorik/Kognition: Gleichgewichtsorgan im Innenohr betroffen; beiläufiges Lernen aus Umgebungssprache nicht möglich
- Spracherwerb: je nach Hörgrad unterschiedliche Lautsprachentwicklung; Schriftsprache als wichtiger Kompensationsweg
- Psychosoziale Entwicklung: Kommunikationsschwierigkeiten führen zu Rückzug; Selbstwertgefühl beeinflusst
Profilbildende Elemente
- Schulhausgestaltung: raumakustische Optimierung, störschalldämmende Materialien, Höranlagen, gute Beleuchtung für Absehen
- Halbkreisförmige Sitzordnung: visuelle Wahrnehmung aller Kommunikationspartner
- Digitale Unterstützungsmedien: Tablets, Computer, spezielle Lernprogramme, Gebärdensprachlexika digital
- Sprachlerngruppen (SpLG I–V):
- SpLG I: hörgerichtet, geöffnet
- SpLG II: hörsehgerichtet
- SpLG III: hörsehgerichtet mit manuellen Hilfen
- SpLG IV: bilingual (Lautsprache + Deutsche Gebärdensprache)
- SpLG V: für SuS mit AVWS
- Pädagogische Audiologie im Klassenraum: Überprüfung von Hörgeräten, CI, Höranlagen
- Hörgeschädigtenkunde: Selbstreflexion, Umgang mit Hörhilfen
Kommunikationsmittel
- Lautsprache (mit Hörhilfen)
- Deutsche Gebärdensprache (DGS)
- Manuelle Hilfen: Fingeralphabet, phonembestimmtes Manualsystem, lautsprachunterstützende/-begleitende Gebärden
- Absehen (visuelle Lautsprachperzeption)
- Schriftsprache
Medienbildung / Digitale Bildung
Übergreifende Medienbildung (S. 61)
Standard-Medienbildungsauftrag: sachgerechter, selbstbestimmter, verantwortungsvoller Umgang mit Medien; kritische Reflexion sozialer Netzwerke.
Alltagskompetenz: „Digital handeln"
Verknüpfung von Medienkompetenz mit den Alltagskompetenzen (Handlungsfeld Digital handeln als fächerübergreifender Rahmen).
FS-spezifische digitale Aspekte
- Höranlage als IT-Infrastruktur: FM-Anlagen und digitale Hörsysteme im Klassenraum sind Pflichtausstattung
- Lichtsignalanlagen: Visuelles Feedback in Sporthallen, Schwimmhallen, Fachräumen (ergänzt Tonsignal)
- Digitale Gebärdensprachlexika: ermöglichen barrierefreien Zugang zu Lernwortschatz
- Computerunterstützte Sprachsteuerung: Biofeedback-Systeme und visuelle Darstellung der eigenen Sprachproduktion
- Textbasierte Kommunikation: Schriftsprache und digitale Textkommunikation als Hauptzugang (E-Mail, Messenger, Chat)
- Buchführung (Wahlfach): Explizite Medienbildung — Nutzung aktueller Informations- und Medienangebote, Datenschutz, Urheberrecht, Recherche
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