LehrplanPLUS FS Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung (KME)
Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus
Stand: 08.03.2024
Datei: Förderschule_körperliche_u_motorische_Entwicklung_Stand_08_03_24.pdf
Bildungsauftrag und Leitgedanken
Schülerschaft mit Förderbedarf KME
Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf KME zeigen Beeinträchtigungen in:
- Grobmotorik: Bewegung, Koordination, Gleichgewicht
- Feinmotorik: Handfunktion, Greifmuster, Schreibmotorik
- Körperliche Gesundheit: chronische Erkrankungen, Behinderungen des Stütz- und Bewegungsapparats
- ggf. Sprache und Kognition (bei bestimmten Syndromen wie Cerebralparese)
Häufige Ursachen: Cerebralparese, Muskeldystrophie, Spina bifida, Querschnittslähmung, angeborene Fehlbildungen.
Pädagogische Leitprinzipien
- Assistenz als Prinzip: Barrierefreiheit und Hilfsmittelversorgung als Grundvoraussetzung
- Pflegebedarf integriert: pflegerische Unterstützung ist Teil des Schulalltags (Lagerung, Katheterisierung, Ernährung über Sonde)
- Selbständigkeit fördern: Maximale Eigenständigkeit trotz körperlicher Einschränkungen anstreben
- Interdisziplinäre Kooperation: Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Orthopädie, Soziale Arbeit
- Adaptiertes Lernen: modifizierte Werkzeuge, angepasste Arbeitsplätze
Schulformen und Ausstattung
- Förderzentrum KME mit rollstuhlgerechter Infrastruktur
- Heilpädagogische Tagesstätten (HPT) oft angegliedert
- Spezialbusse / behindertengerechter Schulweg
Medienbildung / Digitale Bildung
FS-spezifische digitale Aspekte (herausragend im Vergleich zu anderen FS)
Im FS KME erfüllen digitale Medien und assistive Technologien eine zentrale Kompensationsfunktion für motorische Einschränkungen:
Eingabehilfen und Steuerungsalternativen
- Joystick und Trackball: Maus-Ersatz bei eingeschränkter Handfunktion
- Kopfsteuerung: Mausbewegung durch Kopfbewegung
- Blicksteuerung (Eye-Tracking): Computersteuerung durch Augenbewegungen
- Taster und Schalter (1-Taster, 2-Taster): alternative Eingabe bei stark eingeschränkter Motorik
- Sprachsteuerung / Diktiersoftware: Texteingabe ohne Hände
- On-Screen-Tastaturen: virtuelle Tastaturen mit Zugangshilfen
Ausgabehilfen und Arbeitsplatzkonfiguration
- Höhenverstellbarer Tisch: Rollstuhl-Integration
- Tablet-Halterungen und -Ständer: stabile Positionierung bei begrenzter Armfunktion
- Dokumentenkameras: Materialien ohne Hantieren anzeigen
- Touch-optimierte Apps: großflächige Bedienelemente, angepasste Sensitivity
Digitale Substitution motorischer Tätigkeiten
- Digitale Bücher statt Papierbücher (kein Blättern erforderlich)
- E-Learning und adaptive Lernprogramme (Scaffolding nach individueller Motorik)
- Digitale Kommunikationshilfen (Sprachausgabegeräte, UK-Software) wenn Sprechen eingeschränkt
Kommunikation und soziale Teilhabe
- Digitale Medien ermöglichen soziale Teilhabe bei eingeschränkter körperlicher Mobilität
- Video-Unterricht als Option bei krankheitsbedingtem Ausfall
Übergreifende Medienbildung (S. 61)
Standard-Medienbildungsauftrag; im KME mit besonderem Fokus auf Selbständigkeit durch Technik.
Alltagskompetenz: „Digital handeln"
Verknüpfung mit Handlungsfeld Digital handeln; für KME besonders relevant:
- Smartphone und Tablet als Assistenzgerät im Alltag (Smart-Home, Sprachassistenten)
- Navigation mit digitalen Karten (Barrierefreiheits-Routing)
- Online-Behördenkommunikation und -einkauf als Mobilitäts-Ersatz
Fachspezifische Medienbildung (5.1)
- Digitale Medien kritisch, verantwortungsbewusst, selbstbestimmt nutzen
- Filmen und digitale Produktion als Kompetenzbereich (ggf. mit angepassten Eingabemitteln)
Verwandte Wiki-Seiten
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