Praxisleitfaden: Lernen mit mobilen Endgeräten in Förderschulen

Herausgeber: StMUK Bayern, ISB (Medienabteilung), ALP Dillingen
Stand: März 2025
Umfang: 51 Seiten
Erarbeitet mit: Beraterinnen und Berater digitale Bildung (BdB) + Sonderpädagogik-Lehrkräfte

Praxisorientierter Wegweiser für Schulleitungen und Lehrkräfte an Förderschulen zur pädagogisch reflektierten Integration mobiler Endgeräte (primär Tablets) in den Unterricht. Verweist auf einen vertiefenden Online-Materialpool über mebis Magazin.


Kontext / Förderung

Im Schuljahr 2024/2025 wurde eine staatliche Förderung für Schulaufwandsträger zur Erneuerung und Erweiterung des Leihgerätepools bereitgestellt — inhaltlich verknüpft mit src-kostenersatz-foerderschulen.


5 Handlungsfelder digitaler Schulentwicklung

Alle fünf Felder bedingen sich wechselseitig:

Handlungsfeld Kern
Unterricht weiterentwickeln Kompetenzorientierung, Individualisierung, Feedback
Digitale Expertise stärken Lehrkräftefortbildung, schulinterne Multiplikation
Schule digital organisieren Medienkonzept, digitale Kommunikation, Lernplattform
Schule kooperativ gestalten Elternarbeit, Vernetzung mit anderen Schulen
IT-Infrastruktur optimieren Absprache mit Schulaufwandsträger, WLAN, MDM

Ausgangspunkt: Ist-Stand in allen fünf Feldern erfassen → kurz- und mittelfristige Ziele ableiten.


Kap. 2: Ausstattung

3 Ausstattungsvarianten

Variante Beschreibung Besonderheit
1 – Schulweite Poolgeräte Geräte werden schulweit über Ausleihsystem gebucht Zentrallagerung, Transport/Einsammeln organisieren
2 – Klasseneigene Poolgeräte Feste Anzahl je Klasse zugeordnet Empfehlung: mind. ½ Klassensatz + 3 Ersatzgeräte
3 – Fest zugeordnete Geräte Jede/r SuS hat eigenes Gerät Spontaneinsatz jederzeit; Heimnutzung mit SAT-Absprache möglich

Kombination der Varianten empfohlen (z. B. Einstieg mit Pool → später Einzelzuordnung).

Geräteempfehlung

  • Grundschulstufe: Tablets (intuitiv, touchbasiert, leicht, Stifteingabe, assistive Funktionen)
  • Höhere Jahrgangsstufen: auch Notebooks/Laptops sinnvoll
  • Wahl abhängig von pädagogischer Zielsetzung, Jahrgangsstufe, Förderschwerpunkt

Technische Infrastruktur

  • Mind. 1 kabelgebundener Access-Point pro Klassenzimmer
  • Empfohlene Bandbreite: 1 Mbit/s pro aktivem Nutzer (Up + Down)
  • Screen Mirroring / Projektion auf Großbilddarstellung erforderlich
  • Jugendschutzfilter, SafeSearch, sichere Browsereinstellungen

Referenzdokument für IT-Specs: src-votum-2025 (jährlich aktualisiert)

MDM (Mobile Device Management)

Zentrale Geräteverwaltung empfohlen:
- Automatische Updates, App-Installation
- Fernreset/-sperrung, Datenlöschung bei Verlust
- Konfigurationen ausspielen (WLAN-Zugänge)
- Reizarme Lernumgebung konfigurieren (einfarbige Hintergründe, Sprachassistenten deaktivieren)
- Förderschwerpunktspezifische Anpassungen (assistive Funktionen, Widgets, Kurzbefehle)

Inhaltlich verwandt mit MDM-Thema in src-ausbildungsgeraete-programm (Relution-Migration).


Kap. 3: Rahmenbedingungen

Medienerziehung (3 Ebenen)

  1. Prävention — pädagogische und technische Maßnahmen (Regeln, MDM-Einschränkungen)
  2. Intervention — rechtzeitiges Eingreifen bei problematischer Nutzung
  3. Reflexion — systematische Sensibilisierung für Chancen und Risiken

Gemeinsam entwickelte Regeln mit SuS reduzieren Ablenkungspotenzial effektiv.

Pädagogischer Rahmen (Absprachen)

Folgende Bereiche sollten schulweit verbindlich geregelt werden:
- Einheitliche Lernumgebung (Lernplattform, Dateiablage)
- Digitales Heft (in welchen Jahrgangsstufen?)
- Kommunikations- und Erreichbarkeitsregeln
- Regeln für Gerätenutzung (gemeinsam getragen)
- Einarbeitungskonzept für Lernende
- Schulinterne Unterstützungsangebote


Kap. 4: Planung

Zeitplan (4 Bereiche)

  1. Allgemeine Termine und Fristen
  2. Gerätebeschaffung/-konfiguration (mit Schulaufwandsträger)
  3. Kompetenzentwicklung Lehrkräfte/pädagogisches Personal
  4. Maßnahmen für Lernende und Erziehungsberechtigte

Anforderungen an Lehrkräfte

  • Fach- und mediendidaktische Kenntnisse (Differenzierung, Feedback, Kollaboration)
  • Technische Handlungskompetenz (Betriebssysteme, Apps, assistive Funktionen wie VoiceOver, Bildschirmlupe)
  • Medienerzieherische Kenntnisse (Social Media, Gaming, KI-Realitäten der SuS)

BdB unterstützt bei Fortbildungsplanung und Referentenvermittlung.

Einarbeitungskonzept Lernende (Bereiche)

  • Regeln zur Gerätenutzung — Nutzungs-/Kommunikationsregeln, Verantwortungsübernahme
  • Gerätebedienung — Bedienkompetenzen, Apps, Bedienungshilfen (Screenreader, Zoom, geführter Zugriff)
  • Lernorganisation — Workflow, digitale Heftführung, kollaboratives Arbeiten
  • Problemlösung — Ansprechpersonen, Unterstützungsangebote
  • Medienerziehung — Datenschutz, Urheberrecht, selbstkritische Mediennutzung

Kap. 5: Unterricht

Qualitätsmerkmale digitalen Unterrichts

  • Effektive Klassenführung (Basis)
  • Individualisiertes Lernen
  • Methodenvielfalt
  • Veranschaulichung
  • Lebensweltbezug
  • Kompetenzorientierte Aufgaben / intelligentes Üben

Medienkompetenz-Kompetenzbereiche (SuS)

  1. Basiskompetenzen (Kennen/Verstehen, assistive Funktionen für Teilhabe)
  2. Suchen und Verarbeiten
  3. Kommunizieren und Kooperieren
  4. Produzieren und Präsentieren
  5. Analysieren und Reflektieren

Beratung und Unterstützung

  • BdB — vor Ort (Beschaffung, IT-Infra, Medienkonzept, Referentenvermittlung, Elternabende)
  • ISB — schulartspezifische Ansprechpartner
  • ALP Dillingen — spezifische Förderschul-Fortbildungen
  • Schulentwicklungsmoderatoren — vor Ort

Einordnung / Kontext

Der Leitfaden ist das pädagogisch-didaktische Pendant zur technischen und finanziellen Infrastrukturförderung. Er schließt die Lücke zwischen Gerätebereitstellung (SchulMobE → src-kostenersatz-foerderschulen, src-schulmobe-endgeraete) und dem konkreten Unterrichtseinsatz. Besonderer Fokus auf Barrierefreiheit und assistive Funktionen als Förderschulspezifikum.

Der Leitfaden ergänzt das Ankerschulprogramm (src-ankerschule-2026, src-ankerschule-foerderschulen-konzept) auf der Unterrichtsebene.


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