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Informatik / Digitale Bildung an Förderschulen (Bayern)

„Informatik / Digitale Bildung" bezeichnet den Bereich des LehrplanPLUS Förderschule, der sich mit informationstechnischen Grundkompetenzen, Medienbildung und förderschwerpunktspezifischen digitalen Werkzeugen befasst. Die curriculare Verankerung, die Unterrichtsform und der Fortbildungsbedarf unterscheiden sich je nach Förderschwerpunkt erheblich — von einem eigenständigen Fach mit vollständigem Curriculum (gE, Lernen) bis zur fächerübergreifenden Medienbildung mit FS-spezifischen Schwerpunkten.


Fachliche Verankerung im LehrplanPLUS

Förderschwerpunkt Fachbezeichnung Jahrgangsstufen Organisationsform Kernbesonderheit
gE Digitale Bildung 1–12 Eigenständiges Fach Einziger FS mit vollständigem Fachcurriculum (6 Lernbereiche); keine JS-Bindung
Lernen Informatik 5–9 Eigenständiges Fach 5 Lernbereiche; Tastschreiben (10-Finger, 100 Anschl./Min.); Programmieren ab JS 5
Hören Medienbildung übergreifend Fächerübergreifend Höranlage als IT-Pflichtinfrastruktur; textbasierte Kommunikation als Primärzugang
Sehen Medienbildung übergreifend Fächerübergreifend Screenreader/Braillezeile als Pflichtbereich; blindenspezifische Software-Auswahl
Sprache Medienbildung übergreifend Fächerübergreifend Digitale Sprachförder-Apps; Ton-/Videoanalyse der eigenen Sprechleistung
ESE Medienbildung übergreifend Fächerübergreifend Cybermobbing-Prävention; Mediensucht als explizites Förderziel
KME Medienbildung übergreifend Fächerübergreifend Eingabehilfen (Eye-Tracking, Taster, Joystick, Sprachsteuerung) als Kompensation

Gemeinsame Basis aller 7 FS:
- Übergreifendes Bildungsziel Medienbildung (LehrplanPLUS S. 61): sachgerechter, selbstbestimmter, verantwortungsvoller Medienumgang
- Handlungsfeld „Digital handeln" in Alltagskompetenz und Lebensökonomie (alle FS, bei gE zusätzlich als Fachbestandteil)
- Vier Entwicklungsbereiche (Motorik/Wahrnehmung, Denken/Lernstrategien, Kommunikation/Sprache, Emotionen/Soziales) als Integrationsrahmen in allen Fachprofilen


Umsetzung im Unterricht

Typ 1 — Eigenständiges Fach (gE und Lernen)

Beide Förderschwerpunkte verankern informatische Grundbildung als eigenständiges Schulfach mit Stundentafelanteil, Fachlehrplan und Kompetenzerwartungen:

Fach Digitale Bildung (gE, JS 1–12)

Das einzige Fach dieser Art im gesamten bayerischen Förderschulsystem. Nicht jahrgangsstufengebunden — Lernbereiche werden als individuelle kompetenzorientierte Lernaktivitäten umgesetzt.

Lernbereich Kerninhalt
LB 1 Digitale Endgeräte nutzen — Bedienung, assistive Steuerung, EVA-Prinzip
LB 2 Assistive Technologien — UK-Software, METACOM-Apps, Bedienungshilfen
LB 3 Recherchieren und Organisieren — kindgerechte Suchmaschinen, Alltagsapps
LB 4 Kommunizieren und Kollaborieren — Messenger, Videokonferenz, Lernprogramme
LB 5 Produzieren und Präsentieren — Bilder, Texte (Sprache-zu-Text), Präsentationen
LB 6 Algorithmisch Denken — Scratch, Roboterprogrammierung (Blue-Bot, Calliope)

Fach Informatik (Lernen, JS 5–9)

Orientiert am Mittelschul-Lehrplan, förderschwerpunktspezifisch angepasst (Entwicklungsbereiche, Binnendifferenzierung).

Lernbereich Kerninhalt
LB 1 Hardware und Betriebssysteme; 10-Finger-Tastschreiben
LB 2 Digitaler Informationsaustausch; Datenschutz, Netiquette, Urheberrecht
LB 3 Datenverarbeitung — Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation
LB 4 Programmieren — algorithmisches Denken, grafische Sprachen, Roboter
LB 5 Methodenkompetenzen — Recherche, Publizieren, Dokumentieren

Typ 2 — Fächerübergreifende Medienbildung (Hören, Sehen, Sprache, ESE, KME)

Kein eigenständiges Fach; digitale Bildung ist Querschnittsaufgabe aller Fächer. Jeder FS hat jedoch eine charakteristische Schwerpunktsetzung:

FS Charakteristischer Schwerpunkt Digitale Werkzeuge
Hören Kommunikationszugang und -ausgleich Digitale Gebärdensprachlexika, FM-Höranlagen, Lichtsignalanlagen, textbasierte Kommunikation
Sehen Kompensation visueller Einschränkungen Screenreader (JAWS, NVDA, VoiceOver), Braillezeile, Vergrößerungssoftware, Audiodeskription
Sprache Digitale Sprachförderung und Sprachanlässe Sprachtherapeutische Apps, Ton-/Videoaufnahmen, Korrekturhilfen, Präsentationssoftware
ESE Medienkompetenz als soziales Lernfeld Cybermobbing-Prävention, Timer-Apps, Strukturierungshilfen, Videofeedback eigenes Verhalten
KME Motorische Kompensation Eye-Tracking, Taster/Schalter, Joystick, Sprachsteuerung, Smart-Home-Integration

Querschnittsthemen

Assistive Technologien (gE, Hören, Sehen, KME): Digitale Medien sind gleichzeitig Lerngegenstand und Zugangsvoraussetzung. Barrierefreiheit (WCAG, iOS-Zugangshilfen, UK-Software) ist nicht Ergänzung, sondern Pflichtbestandteil der Unterrichtsplanung.

Algorithmen und Programmieren (gE LB 6, Lernen LB 4): Beide Fächer verankern algorithmisches Denken — in gE über Handlungsabläufe und grafische Programmiersprachen ohne JS-Bindung, in Lernen als progressiver Lehrgang JS 5–9.

Medienkompetenz als Schutz (ESE, Lernen, ggf. alle): Cybermobbing, Suchtprävention, Datenschutz, Persönlichkeitsrechte — besonders bei ESE zentral, aber in allen FS als übergreifendes Ziel.

Unterstützte Kommunikation (UK) (gE, KME, Sprache): Digitale Kommunikationshilfen (Sprachausgabegeräte, METACOM-Apps, UK-Software) sind für mehrere FS unterrichtliche Grundlage.


Lehrkräftefortbildung

Die Fortbildungsstruktur folgt zwei Zeitachsen (Ausbildungsphase / In-Service) und zwei Verantwortungsebenen (extern / schulintern).

Ausbildungsphase: DiBiS (Referendare)

DiBiS – Digitale Bildung im Seminar deckt alle 18 Sonderpädagogikseminare in Oberbayern mit 3 Halbtagen ab:

Halbtag Inhalt Verantwortung
DiBiS 1 + 2 Medienpädagogik und -didaktik (K+5, DigCompEdu, iPads, ByCS, KI) mBdBs
Informatik-Halbtag Informatische Grundbildung Fachberatung IT (Tandem mit BdBs)

Der Informatik-Halbtag bei DiBiS ist damit die standardisierte Einführung in das Fach für alle Sonderpädagogik-Referendare in OBB.

In-Service: Fachberatung IT als Multiplikator

Für berufstätige Lehrkräfte übernimmt die Fachberatung IT die Multiplikatorrolle für Fachfortbildungen:

  • Zielgruppe: Lehrkräfte, die das Fach Digitale Bildung (gE) oder Informatik (Lernen) unterrichten
  • Form: RLFB-Veranstaltungen und SCHILF-Unterstützung im jeweiligen Sprengel
  • Inhalt: fachdidaktische Vertiefung, neue Tools, Lehrplan-Umsetzung, Unterrichtsbeispiele
  • Koordinationsrahmen: Regionalgruppen (9 Sprengel OBB) — Fachberatung IT ist dort zuständig für die informationstechnische Fortbildungslinie

Schulintern: SKDB und DigiBI

  • SKDB (SCHILF-Koordination Digitale Bildung): koordiniert schulinterne Fortbildungsbedarfe zu digitaler Bildung — darunter auch Informatik/Digitale Bildung — auf Basis der FIBS-Bedarfsabfrage. Übersteigende Bedarfe werden an BdBs/Fachberatung IT weitergeleitet.
  • DigiBI Koordinatoren (Förderschulen): schulinterne Ansprechpersonen für medienpädagogische Schulentwicklung; Fachfortbildung zu Informatik/Digitale Bildung liegt dagegen eher bei der Fachberatung IT.

Schulübergreifend: RefNetzDB und ByCS-Materialien

  • RefNetzDB hält Referenten für SCHILF/RLFB bereit; Themen aus dem Bereich Digitale Bildung werden auf Anfrage zugewiesen.
  • Digitalkompass (src-digitalkompass-chat-social-media): ab 1.7.2026 Chat-Kompass (GS) und Social Media Kompass (Jg. 5–8) — direkt in Fortbildungen und Unterricht einsetzbar.
  • Medienführerschein Bayern (src-medienfuehrerschein-bayern): kostenloses Unterrichtsmaterial für alle Schularten; Sonderpädagogik-Angebot (Jg. 5–7, einfache Sprache) adressiert Medienkompetenzthemen.
  • Elementarinformatik OPEN vhb (src-elementarinformatik-vhb): kostenloser 20-h-Online-Kurs für Grundschullehrkräfte und KiTa-Fachkräfte (Uni Bamberg/FELI + LMU); analoge Experimentiermaterialien, Algorithmus, Computational Thinking — als Hintergrundwissen auch für Fachkolleg:innen relevant, die gE LB 6 oder Lernen LB 4 unterrichten.
  • PIZ – Profilschule für Informatik und Zukunftstechnologien (src-piz-profilschule-informatik): ISB/ALP/StMUK-Programm, das Schulen als regionale Multiplikatoren für Informatik-/Zukunftsthemen vernetzt (Maker Education, Programmieren/Robotik, Virtualisierung, KI); strukturell vergleichbar mit dem Ankerschulen-Konzept, aber Informatik-fokussiert.

Überblick: Fortbildungsverantwortung

Referendare            → DiBiS (Informatik-Halbtag: Fachberatung IT)
                       → DiBiS (Medienpäd. Halbtage: BdBs)

Berufstätige LK        → Fachberatung IT (Fach Informatik / Digitale Bildung)
(Fach gE / Lernen)       als Multiplikator für RLFB/SCHILF

Berufstätige LK        → BdBs + DigiBI (Medienbildung fächerübergreifend)
(andere FS)              über Regionalgruppen-Treffen und RefNetzDB

Schulinterne Koord.    → SKDB (Bedarfsabfrage und Grobplanung)
                       → DigiBI Koordinator (päd. Schulentwicklung)

Abgrenzungen

Fach vs. Medienbildung: Digitale Bildung (gE) und Informatik (Lernen) sind Pflichtfächer mit Fachlehrplan. In allen anderen FS ist „digitale Bildung" Querschnittsauftrag ohne Stundentafelverankerung — das unterscheidet die Fortbildungsverantwortung und Ressourcenzuweisung grundlegend.

Fachberatung IT vs. BdB: Die Fachberatung IT verantwortet die fachliche Dimension (Informatik/Digitale Bildung als Fach), die BdBs die medienpädagogisch-didaktische Dimension (Medienbildung, Schulentwicklung, KI). Beide arbeiten im Tandem bei DiBiS und in den Regionalgruppen.

Systembetreuung vs. Fachunterricht: Systembetreuungen sichern den technischen Betrieb; Informatik/Digitale Bildung als Fach liegt in der pädagogischen Verantwortung der Fachlehrkräfte und der Fachberatung IT als Multiplikator.


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