Internes Wissensportal

Falsches Passwort

Deutsches Schulbarometer 2026 — Befragung Lehrkräfte

Herausgeber: Robert Bosch Stiftung (Studienreihe seit 2019, seit Nov. 2023 als längsschnittliche Panelstudie)
Durchführung: forsa, Online-Befragung 11.11.–02.12.2025
Stichprobe: N = 1.547 Lehrkräfte inkl. Schulleitungen, repräsentativ für alle Schulformen (±3 Prozentpunkte); darunter 6,6 % Förderschul-Lehrkräfte, 16,4 % Grundschule, 22,3 % Quer-/Seiteneinsteiger:innen
Umfang: 107 S. (inkl. Fragebogen); PDF lokal in raw/ (Publikationsseite)
Zitation: Robert Bosch Stiftung (2026). Deutsches Schulbarometer 2026: Befragung Lehrkräfte. Stuttgart.


Die fünf zentralen Ergebnisse

1. Schülerverhalten ist die größte Herausforderung — und wächst

  • 46 % nennen das Verhalten der Schüler:innen als größte berufliche Herausforderung (2024: 35 %, 2025: 42 %) — mit Abstand Platz 1
  • Dahinter: Heterogenität (34 %), Arbeitsbelastung/Zeitmangel (27 %, rückläufig), Bildungspolitik/Bürokratie (22 %), Eltern (20 %), Personalmangel (18 %)
  • Auffällig: Digitalisierung allgemein wird immer seltener als Herausforderung genannt (2024: 10 % → 2026: 5 %), KI dagegen immer häufiger (2024: 1 % → 2026: 5 %)
  • Nach Schulform: Haupt-/Real-/Gesamtschulen (55 %) und berufliche Schulen (53 %) am stärksten betroffen; Förderschulen 47 %, dort v. a. problematisches Sozialverhalten (34 % — höchster Wert aller Schulformen)
  • Erstmals erhoben: Förderung überfachlicher Kompetenzen (Empathie, Kooperation, Selbstregulation, kritisches Denken) — 82 % Fortbildungsbereitschaft, aber 29 % fühlen sich nicht ausreichend kompetent, 36 % ohne aktive Unterstützung durch die Schule

2. Heterogenität und Inklusion bleiben Dauerthema

  • 52 % empfinden inklusive Beschulung weiterhin als nicht für alle gewinnbringend; Förderangebote werden maximal als befriedigend bewertet
  • Selbstwirksamkeit als Schlüssel: Wer sich inklusiven Unterricht zutraut, zeigt seltener Burn-out-Anzeichen und ist positiver gegenüber Inklusion eingestellt
  • Erstmals erhoben: Diskriminierendes Verhalten von Schüler:innen ist bereits in der Grundschule präsent, verstärkt an Schulen mit hohem Anteil armutsbelasteter Familien

3. Zufriedenheit hoch, Belastung ebenso

  • Berufliche Zufriedenheit stabil bei 83 %; dennoch würden 28 % den Beruf wechseln, wenn möglich
  • 24 % fühlen sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft, 12 % täglich; Lehrkräfte unter 40 ohne Leitungsfunktion mit signifikant höheren Burnout-Symptomen
  • Schutzfaktoren: kooperative Schulkultur und Schulsozialarbeit; Risikofaktor: Gewaltprobleme unter Schüler:innen

4. Demokratiebildung: zentrale Aufgabe, unsichere Umsetzung

  • 48 % finden, ihre Schule sollte mehr für Demokratiebildung tun (2025: 56 %); an armutsbelasteten Schulen 54 %
  • 18 % fühlen sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot verunsichert; 27 % glauben fälschlich, Lehrkräfte dürften ihre eigene Meinung zu politischen Fragen grundsätzlich nicht äußern

5. KI: Nutzung und Sicherheit steigen deutlich — Qualifizierungsbedarf bleibt

Kernkapitel für dieses Wiki (Kap. 4.3):

Indikator 2025 2026
Fühlen sich (eher/sehr) sicher im Umgang mit KI-Tools 38 % 48 %
Nutzen KI mind. mehrmals im Monat 32 % 52 %
Nutzen KI mehrmals pro Woche 9 % 19 %
Haben KI nie genutzt (letzte 12 Monate) 31 % 10 %
Persönlicher Fortbildungsbedarf KI 52 %
  • Einsatzzwecke (Nutzer:innen, n = 1.389): Aufgabenerstellung 64 %, Unterrichtsplanung 58 %, Leistungskontroll-Fragen 36 %, Kommunikation 33 %; erstmals erfasst: 29 % lassen Schüler:innen KI im Unterricht nutzen; pädagogisch anspruchsvolle Formen selten (Feedback an SuS 8 %, Reflexion/Beratung 8 %, Bewertung 8 %, Lernverlaufsanalyse 2 %)
  • Förderschulen sind Schlusslicht: nur 35 % fühlen sich sicher (berufliche Schulen: 58 %), nur 8 % nutzen KI häufig (GS 18 %, HRG 28 %, Gym 30 %, berufliche 34 %). Männer und jüngere Lehrkräfte sicherer/aktiver
  • Chancen/Risiken aus Lehrkräftesicht: positiv v. a. individualisierte Lernunterstützung (59 %); mehrheitlich negative Erwartungen bei kritischem Denken (67 %), sozialen/kommunikativen Fähigkeiten (67 %), Problemlösefähigkeit (62 %), Sprach-/Schreibkompetenzen (57 %), Kreativität (55 %), Selbstständigkeit (53 %)
  • Empfehlungen der Studie: adaptive Lernsysteme gezielt nutzen; verbindliche Fortbildungen (Aufbau von KI-Expertise an den Landesinstituten); Rahmenbedingungen schaffen — „Die Entwicklung darf nicht allein vom privaten Engagement einzelner Lehrkräfte abhängen" (funktionierende Infrastruktur, Software, IT-Support)

Fortbildungsbedarfe gesamt (Kap. 4.6)

KI ist das meistgenannte Fortbildungsthema überhaupt — vor psychosozialen Themen und klassischen Inhalten:

  1. Nutzung von KI 52 %
  2. Umgang mit psychisch belasteten Schüler:innen 47 %
  3. Digitale Medien für den Unterricht 35 % / Umgang mit beruflichen Belastungen 35 %
  4. Unterrichten bei besonderem Förderbedarf 33 %
  5. Individualisiertes Lernen 30 %, multikulturelle Schülerschaft 27 %, Klassenführung 25 %, Schulentwicklung 23 %
  6. Klassische Inhalte deutlich seltener: Fachwissen 12 %, Lehrplan 4 %, Schulrecht 1 %

Einordnung ins Wiki

  • Primärquelle für die im Vortrag „Lehren und Lernen für die Zukunft" zitierten Schulbarometer-Zahlen; präzisiert dort verkürzt wiedergegebene Werte (Anstieg der KI-Sicherheit: 38 % → 48 %, nicht 6 % → 48 % — die 6 % waren nur die Stufe „sehr sicher" 2025)
  • Der Förderschul-Befund (35 % Sicherheit, 8 % häufige Nutzung — jeweils Schlusslicht) ist ein starkes empirisches Argument für gezielte KI-Fortbildung an Förderschulen: genau das Feld von fachberatung-it, DiBiS, refnetzdb und BdBs
  • Die Studien-Empfehlung „Rahmenbedingungen statt privates Engagement" entspricht dem Jahresthema der ankerschulen 2026/27 (verlässliche pädagogische/technische Rahmenbedingungen) und der bayerischen Tool-Strategie (overview-ki-anwendungen-schulen)
  • Fortbildungsbedarf Klassenführung (25 %) und individualisiertes Lernen (30 %) decken sich mit den Qualitätsbereichen des K+5-Modells
  • Bedarfsorientierte Fortbildungsplanung als Kernforderung (Kap. 4.6) ist der Ansatz von SKDB (FIBS-Bedarfsabfragetool) und Bertelsmann-Forschungssynthese

Verwandte Seiten

Quellen (extern)