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Haltung und Handlungssicherheit — Schulentwicklung bei herausforderndem Verhalten

Rohquelle: raw/ISB - Haltung und Handlungssicherheit.md — Online-Magazin des ISB (Abteilung Grund-, Mittel-, Förderschulen und Inklusion, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, 2024), publiziert unter isb-magazin.de/haltung-und-handlungssicherheit. Empfohlene Zitierweise laut Quelle: „ISB (Hrsg.)". Erstellt von einem Arbeitskreis von Sonderpädagog:innen bayerischer Förderzentren (Förderschwerpunkt esE) unter ISB-Leitung.

Hinweis zur Vollständigkeit: Die erfasste Rohquelle bricht in Teil 3 (Praxisbausteine) nach Baustein 3.5 mitten im Satz ab — von den im Magazin angekündigten 17 Bausteinen liegen hier nur die ersten fünf vollständig bzw. teilweise vor. Diese Seite gibt entsprechend nur einen Ausschnitt der Praxisbausteine wieder.

Ausgangspunkt

Herausforderndes Verhalten von Schülerinnen und Schülern gilt laut einer Umfrage des Deutschen Schulportals als die größte Belastung für Lehrkräfte und betrifft laut Magazin nie nur einzelne Lehrkräfte, sondern immer die ganze Schule. Pädagogische Schulentwicklung soll Kollegien helfen, gemeinsame Haltungen zu erarbeiten und dadurch Handlungssicherheit und Selbstwirksamkeit zurückzugewinnen — anschaulich als „Reifenwechsel während der Fahrt" beschrieben.

Teil 1: Theoriebausteine (Auswahl)

Konzept Kernaussage
Haltung Individuelles und sozial geteiltes Wahrnehmungs-/Deutungs-/Reaktionsmuster, biografisch erworben, daher veränderungsresistent; wirkt als Filter, Motivator und Steuerung (nach Junge 2020); verändert sich vor allem durch Reflexion konkreter Situationen
Handlungssicherheit Zentrales Merkmal professionellen pädagogischen Handelns entlang drei Leitfragen (Jacobs et al. 2018): Wer bin ich? Was tue ich? Was kann ich? — individuell wie institutionell (wieder-)herstellbar durch Fortbildung, Kooperation, Netzwerkarbeit
Prävention Universell/selektiv/indiziert (Ricking et al. 2021); Spannungsfeld zwischen Gewährenlassen und Grenzsetzung; „Präventionsparadoxon" (wenig sichtbarer Erfolg trotz langfristigem Nutzen)
Intervention Eingreifende Maßnahmen bei gefährdenden Prozessen — auch „stille" Formen herausfordernden Verhaltens; wirksam nur aus gemeinsamer Haltung heraus, im Team entwickelt
Internes Unterstützungsnetzwerk Kollegiale Hilfe; ohne sie entstehen erzieherische „Leerräume", in denen SuS Lehrkräfte gegeneinander ausspielen können
Schulklima Atmosphäre geprägt v. a. durch Beziehungsqualität (Varbelow 2003); kaum direkt steuerbar, nur über viele bewusste Einzelentscheidungen der Schulfamilie
Schulleitung als Gatekeeper Entscheidet laut Rolff (2012), ob Neuerungen im Kollegium Einlass finden; Vorbildwirkung der eigenen Haltung (Lichtinger 2022)
Steuergruppe Zeitlich befristete Arbeitsgruppe mit klarem Mandat, repräsentativer Zusammensetzung und Schulleitungsbeteiligung
Widerstände Normale Reaktion (Veränderungsangst, Kränkung, Unverständnis nach Reese/Sommerhoff 2018) — kein Hindernis, sondern einzuplanender Bestandteil von Veränderungsprozessen
Bedürfnisorientierung Herausforderndes Verhalten als Signal unbefriedigter Bedürfnisse (nach Wedewardt 2022); Unterscheidung Wunsch vs. dahinterliegendes Bedürfnis; Abkehr von starren Sanktionskatalogen

Weitere behandelte Konzepte: Begriffsklärung „herausforderndes Verhalten" (zwei Dimensionen: Handlungsfähigkeit auf die Probe stellend UND Veränderungsanstoß), Schulentwicklung als lernende Organisation, Netzwerkarbeit mit externen Fachkräften (Jugendhilfe, Kinder-/Jugendpsychiatrie; Konzept der „Unterstützer" nach Haim Omer), Evaluation (interne vs. externe, Huber et al. 2014).

Teil 2: Fünf Schulprofile

Exemplarische Schulentwicklungsprozesse an fünf bayerischen Förderzentren (Förderschwerpunkt esE), jeweils mit eigenen Rahmenbedingungen:

  • Adolph-Kolping-Schule Würzburg — Förderzentrum mit integrierter Heilpädagogischer Tagesstätte (~47 SuS), seit Gründung Anfang 1990er konsequent interdisziplinär (Sonderpädagogik/Sozialpädagogik/Psychologie „auf Augenhöhe")
  • Bartolomeo-Garelli-Schule Bamberg — kleines privates Förderzentrum (Salesianer Don Bosco, ~50–60 SuS, Jg. 1–9), Schulentwicklung ausgelöst 2009/10 durch Zusammenlegung aller Klassen; Fortbildungsschwerpunkte Neue Autorität, Traumapädagogik, Deeskalation, konfrontative Pädagogik
  • Josef-Landes-Schule Kaufbeuren — großes SFZ (~280 SuS, 75 Mitarbeitende), Prozess chronologisch 2014–2024 nachgezeichnet, ausdrücklich als nie „fertig" beschrieben
  • Antoniushaus Marktl am Inn — privates, staatlich anerkanntes Förderzentrum (~100 Jungen) in Kooperation mit angegliederter Jugendhilfeeinrichtung, sehr hoher Förderbedarf (Traumafolgen, Aggressionen, Autismus-Spektrum); Selbstverständnis über sechs Leitgedanken („Unsere Haltung bestimmt unser Handeln")
  • Tagebuch eines Schulentwicklungsprozesses — anonymisierte Rückschau (2019–2023/24) auf einen mehrjährigen Prozess an einem großen Förderzentrum; Fazit: Freiwilligkeit erreicht nicht alle, wirkt aber nachhaltiger als verordnete Konzepte; zu große Arbeitskreise lähmen; sichtbare Schulleitungsunterstützung ist entscheidend

Teil 3: Praxisbausteine (unvollständig erfasst — Bausteine 1–5 von 17)

Jeder Baustein folgt im Original dem Aufbau: Haltung – Worum geht's – Was tun wir – Warum wichtig – Worauf achten – Was nimmt man wahr.

Baustein Schule Kernidee
Theater-Projekt Bartolomeo-Garelli-Schule Jährliches Theaterprojekt mit Rolle für jede/n SuS; Ich- und Wir-Stärkung; unverbindliche Willkommensphase + mediale Aufbereitung als Gelingensfaktoren
Bewährungsklasse Adolph-Kolping-Schule Statt Unterrichtsausschluss: mind. 5 Tage separate Klasse mit individuellen Zielen, zweimal täglich reflektiert; Varianten „plus/minus"
FFF-Pokal (friedlich, freundlich, fair) Bartolomeo-Garelli-Schule Chip-Verstärkersystem, klassenweiser Wettbewerb; Wirkung lässt bei älteren Jahrgängen erfahrungsgemäß nach
MarKo-Modell Schule am Martinsberg, Naila Eng verzahnte Kooperation SFZ + stationäre Jugendhilfe, Kleingruppen (≤8) mit festen Heilpädagogik-Coaches, Ziel Rückführung in Stammklasse (Basis: KMK-Beschluss 2004)
Schattenstundenplan (unvollständig) Josef-Landes-Schule Ressourcenschonende Alternative zum Trainingsraum: SuS wird bei Eskalation in eine im Schattenstundenplan festgelegte andere Klasse geschickt

Einordnung

Ergänzt die curriculare Sicht aus src-lehrplan-ese (Förderschwerpunkt esE) um die organisatorische/schulentwicklungsbezogene Ebene: nicht was im Fach Digitale Bildung unterrichtet wird, sondern wie eine ganze Schule mit herausforderndem Verhalten strukturell umgeht. Für BdB-Beratung an esE-Förderzentren relevant als Referenzrahmen, wenn digitale Strukturierungshilfen (vgl. src-lehrplan-ese: Strukturierungs-Apps) in ein umfassenderes Schulentwicklungskonzept eingebettet werden sollen.

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