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Vortrag: Lehren und Lernen für die Zukunft

Quelle: Vortragszusammenfassung, 04.07.2026
Referentin: Prof. Dr. Uta Hauck-Thum, Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik, LMU München (seit 2018); forscht zu veränderten Lehr- und Lernprozessen in der Kultur der Digitalität — u.a. am Münchner Uni-Lernhaus und im BMBF-Projekt „Digitale Chancengerechtigkeit"
Anlass: Bildungsveranstaltung Medien.Zukunft.Bayern, Themenschwerpunkt Berufsorientierung in der Bildung

Kernthese: Es geht nicht darum, herkömmlichen Unterricht digital zu „stützen", sondern Lernen unter den Bedingungen der Digitalität grundlegend neu zu denken. Technik selbst ist kein Bildungskonzept.


1. Studienlage: KI in der Schule

Deutsches Schulbarometer (Robert Bosch Stiftung) — Lehrkräfteperspektive

Primärquelle 2026 im Wiki: src-schulbarometer-2026

Befund 2025 2026
Fühlen sich (eher/sehr) sicher im Umgang mit KI 38 %* 48 %
Unsicherheit beim didaktischen Einsatz 62 %
Weiterhin großer Fortbildungsbedarf (KI) 52 %

Präzisierung nach Abgleich mit der Primärquelle: Die im Vortrag genannten „6 %" für 2025 entsprechen nur der Antwortstufe „sehr sicher"*; eher + sehr sicher waren 2025 bereits 38 %. Der Anstieg beträgt also +10 Prozentpunkte (38 % → 48 %), nicht 6 % → 48 % (src-schulbarometer-2026, Abb. 3.1).

  • Nutzung 2025 vor allem als Vorbereitungswerkzeug der Lehrkraft: Aufgabenerstellung (58 %), Unterrichtsplanung (56 %); anspruchsvollere Formen selten: Leistungskontroll-Fragen (34 %), individualisierte Lernangebote (28 %), Bewertung (6 %), Lernverlaufsdiagnostik (3 %)
  • 2026: deutlicher Kompetenzzuwachs, aber KI bleibt meistgenanntes Fortbildungsthema — die Systemfrage (verlässliche rechtliche und pädagogische Rahmenbedingungen) ist offen
  • Risiken werden für Denken, Kommunikation und soziales Lernen gesehen; Chancen für individuelle Förderung und Zeitersparnis

Jugendstudie 2025 (Vodafone-Stiftung) — Lernendenperspektive

  • 75 % nutzen KI bei Hausaufgaben (JIM-Studie 2025 bestätigt: 74 % der 12- bis 19-Jährigen)
  • 38 % geben an, dass KI im Unterricht bislang keine Rolle spielt — starke Abhängigkeit vom Engagement einzelner Lehrkräfte
  • 75 % sehen KI im Unterricht als Chance

Zwischenfazit: Private Nutzung und schulische Realität klaffen auseinander. In dieser Lücke entsteht Bildungsungerechtigkeit — wer den kompetenten Umgang nicht zu Hause mitbekommt, lernt ihn womöglich nirgends.


2. Digital Divide: Bildungschancen in der digitalen Welt

Die KI-Frage wird in die Forschung zur digitalen Spaltung eingeordnet:

Ebene Ungleichheit
First-Level-Divide Zugang zu Internet und Endgeräten
Second-Level-Divide Mediennutzung, -aneignung, -erziehung (stark elternhausgeprägt)
Third-Level-Divide Strategischer Nutzen digitaler Geräte für selbstgesteckte Ziele — für Berufsorientierung die zentrale Ebene
„Nächster Divide"? „Zwischen denen, die KI (erfolgreich) nutzen, und dem Rest" (Michael Trucano, Brookings Institution, zuvor Weltbank, 2025)

Schule muss verhindern, dass soziale Herkunft darüber entscheidet, wer souverän mit KI umgehen kann.


3. Kontrastfolie: KI als Kontrolltechnologie

Als Anschauungsbeispiel diente eine Wall-Street-Journal-Reportage über KI-gestützte Klassenzimmer in China: Grundschulkinder tragen EEG-Stirnbänder zur Konzentrationsüberwachung — LED-Anzeige des Aufmerksamkeitsgrads für alle sichtbar, Datenübertragung an Lehrkraft und Eltern. Kritik: permanente Überwachung, psychischer Druck, zweifelhafte wissenschaftliche Aussagekraft.

→ Eine technologiegetriebene Schulvision, in der KI Kontrolle, Effizienz und Leistungsoptimierung bedeutet, ohne dass sich am Lernen etwas verbessert. Anschlussfrage: Welche Vorstellung von Schule wollen wir der Technologienutzung zugrunde legen?

4. Der KI-gestützte „Lernzyklus" (Satire)

Vier-Panel-Comic als Diskursbeispiel: Lehrkraft erstellt Aufgaben mit KI → Schüler:innen lösen sie mit KI → Lehrkraft korrigiert mit KI → KI erstellt Lernpfade. Ein geschlossener Kreislauf, in dem Maschinen mit Maschinen kommunizieren — und niemand mehr lernt. Pointe: Wird KI nur in die alte Aufgaben-Abarbeitungs-Logik eingebaut, automatisiert sie das Bestehende. Der Fehler liegt nicht in der KI, sondern im unveränderten Unterrichtskonzept.


5. Gegenentwurf: Lernsettings in der Kultur der Digitalität

Zeitgemäße Lernsettings …

  1. knüpfen an relevante Praktiken an — Lernen geht von Fragen und Medien aus, die in der Lebenswelt der Lernenden Bedeutung haben
  2. fordern zu gemeinsamem Nachdenken und kooperativem Handeln heraus — Ko-Konstruktion statt isoliertes Abarbeiten; gerade das, was KI nicht ersetzen kann
  3. generieren Gelegenheiten, sich auf Basis individueller Lernvoraussetzungen in die Gemeinschaft einzubringen — Individualisierung als Beitrag Verschiedener zu einem gemeinsamen Produkt, nicht als Vereinzelung
  4. ermöglichen Teilhabe und den Erwerb von Basis- und Zukunftskompetenzen — Lesen/Schreiben/Rechnen verbunden mit Kritikfähigkeit, Kreativität, Kollaboration, Kommunikation

Bezug zur Berufsorientierung: Zukunftskompetenzen entstehen nicht durch KI-Tools allein, sondern durch Lernkulturen, in denen junge Menschen Selbstwirksamkeit, Urteilsfähigkeit und souveränen Technologieeinsatz erfahren.


Einordnung ins Wiki

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Quellen (extern)