EU AI Act — High-Level Summary
Quelle: Future of Life Institute
Datum: 30. Mai 2024
URL: artificialintelligenceact.eu/high-level-summary
4-Punkte-Zusammenfassung
- Verbotene KI (unacceptable risk) — verboten ohne Ausnahmen
- Hochrisiko-KI — reguliert, umfangreichste Pflichten
- Begrenzt riskante KI (limited risk) — Transparenzpflichten nach Art. 50 (Chatbots, Deepfakes; in Kraft seit 2.8.2026) → Detailanalyse: src-eu-ai-act-artikel50-schulwesen
- Minimales Risiko — unreguliert (z. B. KI-Videospiele, Spamfilter)
Verbotene KI-Systeme (Art. 5)
- Manipulative/täuschende Techniken die Verhalten schädlich verzerren
- Ausnutzung von Vulnerabilitäten (Alter, Behinderung, sozioökonomisch)
- Social Scoring (staatliche Bewertung von Personen nach Verhalten/Eigenschaften)
- Kriminalitätsrisiko-Bewertung rein auf Basis von Profiling/Persönlichkeitsmerkmalen
- Gesichtsdatenbanken durch ungezielte Scraping aus Internet/CCTV
- Emotionserkennung am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen (außer Medizin/Sicherheit)
- Biometrische Kategorisierung nach sensiblen Merkmalen (Rasse, Religion, Sexualleben etc.)
- Echtzeit-Remote-Biometrie im öffentlichen Raum für Strafverfolgung (mit engen Ausnahmen)
Hochrisiko-KI: Annex III — Bildungsbereich
Bildung und Berufsausbildung:
- KI-Systeme zur Zugangsentscheidung zu Bildungseinrichtungen
- Bewertung von Lernergebnissen inkl. Lernprozess-Steuerung
- Einschätzung des angemessenen Bildungsniveaus
- Überwachung und Erkennung verbotenen Verhaltens bei Prüfungen
→ Diese Systeme benötigen umfangreiche Compliance-Maßnahmen.
Sonderpädagogischer Kontext (MSD): „Einschätzung des angemessenen Bildungsniveaus" umfasst in der Praxis auch die Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs — damit unterliegt KI-gestützte Diagnostik im MSD dem Hochrisiko-Regime. Konsequenz: EU-AI-Act-Anforderungen sind bei vollständigen KI-Gutachten nicht erfüllbar → nur Assistenzrolle zulässig. Vgl. src-msdigital-ki-msd.
Pflichten für Hochrisiko-KI-Anbieter (Art. 8–17)
- Risikomanagementsystem über den gesamten Lebenszyklus
- Data Governance (repräsentative, fehlerarme Trainingsdaten)
- Technische Dokumentation
- Automatische Ereignisaufzeichnung
- Nutzungsanweisungen für Deployer
- Menschliche Aufsicht ermöglichen
- Qualitätsmanagementsystem
GPAI (General Purpose AI) — Modelle wie GPT, Claude
Alle GPAI-Anbieter müssen:
- Technische Dokumentation erstellen
- Downstream-Anbietern Informationen zu Fähigkeiten/Grenzen liefern
- Copyright-Richtlinie einhalten
- Trainings-Daten-Zusammenfassung veröffentlichen
Systemische GPAI (Training > 10²⁵ FLOPS, z. B. große Frontier-Modelle):
- Zusätzlich: Modellbewertungen, Adversarial Testing, Incident-Reporting, Cybersicherheit
Zeitplan (ab Inkrafttreten)
| Frist | Bereich |
|---|---|
| 6 Monate | Verbotene KI |
| 12 Monate | GPAI-Pflichten |
| 24 Monate | Hochrisiko (Annex III) |
| 36 Monate | Hochrisiko (Annex I) |
Schulrelevanz
Der AI Act verpflichtet Schulen als Institutionen, die Mitarbeitenden KI-Nutzung ermöglichen, zu Fortbildungen (Art. 4). Dies ist die Rechtsgrundlage für den KIKO-Selbstlernkurs als Pflichtfortbildung gemäß src-kms-ki-an-schulen-2024.
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